28.03.2026: „80 Jahre Kulturgemeinschaft“ und „40 Jahre Deutsch-Österreichische Gesellschaft“
Wahrlich ein Meisterkonzert in der Stadthalle
Note Eins für den Carinthia Chor Millstatt
Wohl nicht allen der gut 300 Freunden des Chorgesangs dürfte klar gewesen sein, dass mit dem in der Stadthalle Wetzlar gastierenden Carinthia Chor Millstatt einer der besten und bekanntesten Männerchöre Österreichs sein großes Können unter Beweis stellen konnte. Und zwar eindrucksvoll.
Gemeinsam eingeladen zu diesem chormusikalischen Hochgenuss – und als solcher darf das Gehörte verdientermaßen eingeordnet werden – hatten die Wetzlarer Kulturgemeinschaft e. V. und die Deutsch-Österreichische Gesellschaft Wetzlar e. V., die 2026 auf 80 bzw. 40 Jahre ihres jeweiligen Bestehens zurückschauen können. Und die zum Start ihrer diesjährigen Festivitäten mit dem Meisterkonzert des Carinthia Chores Millstatt sogleich einem Höhepunkt kreierten.
Kärnten – und daran lassen die Männer des Chores einschließlich ihres engagierten Leiters Prof. keinerlei Zweifel – ist die geliebte Heimat des Chores. Dessen Repertoire ist weit gefasst, umspannt Zeiten und Stile von den Meistern der Renaissance und des Barocks bis hin zu zeitgenössischen Werken. Besonders widmet sich Chor dem weiten Feld des internationalen – und ergo vielsprachigen – Volksliedes, dabei dezidiert die geistliche Komponente in Form beispielsweise des Gospels einschließend. Und ganz besonders liegt den Sängern das traditionelle Kärntner Liedgut, sei es fröhlicher oder melancholischer Ausprägung, spürbar am Herzen.
Diesem Selbstverständnis, dieser „Charta“ des Chores entsprach denn auch das Programm, das die 22 Sänger – darunter zahlreiche, wenn nicht gar sämtlich zur solistischen Darbietung fähig, vielfach auch an diesem letzten März-Samstagabend in der Stadthalle bewiesen – auf hohem sängerischem Niveau und vor allem erkennbar mit Herzblut zum Vortrag brachten.
Vier Kärntner-Lieder zu Beginn und fünf am Ende des von einer Pause geteilten Chorkonzertes umschlossen die 16 dazwischen dargebotenen meisterlichen Chorsätze sowohl der leisen Töne als auch des kraftvollen Ausdrucks. Aus dem Kärnten benachbarten Slowenien – einschließlich eines Slavko-Avsenik-Medleys -, dem angrenzenden Italien, aber auch aus Australien, Guatemala, Namibia und Mexico. Wahrlich ein weltweiter und überaus hörenswerter Streifzug durch die weltweite Chormusik in vielen Sprachen.
Hervorzuheben – ohne alles andere dem auch nur ansatzweise nachordnen zu wollen – ist vielleicht die für das Gros der Zuhörer frische, leichtfüßige und durchaus ungewöhnliche Interpretation des bekannten und 200 Jahre alten deutschen Volksliedes „Der Lindenbaum“ von Wilhelm Müller (Text), Franz Schubert (Melodie) und Friedrich Silcher (Satz). Ein Ohrenschmaus, kredenzt vom Carinthia Chor Millstatt.
Dass für mittelhessische Ohren auch das alpenländische Idiom Kärntner Ausprägung eher einer Fremdsprache gleicht und ergo mit den entsprechenden Verstehens-Schwierigkeiten einhergeht, tat dem Hörgenuss jedoch keinerlei Abbruch. Zu gekonnt und überzeugend erreichten die chormusikalischen Darbietungen das Ohr eines zurecht beeindruckten Publikums. Fazit: wer als bekennender Liebhaber der Chormusik diesem Konzertabend Anderes vorzog, hat durchaus Außergewöhnliches versäumt.
Eine Einschätzung, die Kai Uwe Schöler als künstlerischer Leiter der Wetzlarer Kulturgemeinschaft und DÖG-Präsident Hans-Jürgen Irmer abschließend nur bestätigen konnten.





